Brüchiger Korken bei alten Weinen – so lassen sich Flaschen entkorken

Der Anlass ist groß, die Flasche auch: ein gereifter Bordeaux, Rioja oder Barolo mit Jahrzehnten auf dem Buckel. Der Korkenzieher ist angesetzt und schon beim ersten Dreh wird klar: Der Korken ist trocken und spröde. Er droht, beim Öffnen abzubrechen oder zu zerbröseln. Keine Panik! Mit einigen Handgriffen lassen sich viele Korken der gereiften Schätze entfernen. Sollten sich dabei doch noch Stücke des Korkens in die Flasche oder das Glas verirren, lässt sich der Wein auf elegante Weise retten.

Warum alte Korken Probleme machen

Ein Weinkorken lebt von seiner Elastizität. Mit der Zeit (und je nach Lagerung) verliert er langsam an Feuchtigkeit, schrumpft dabei minimal und wird brüchig. Dann reicht ein ungeduldiger Zug, und der Korken zerbricht genau dort, wo man ihn am meisten braucht: im Flaschenhals des begehrten Tropfens.

Eine gute Vorbereitung schadet nie

Es schadet nicht, die Flasche 12–24 Stunden vor dem Öffnen aufrechtzustellen, damit sich das Depot setzt. Anschließend sollte man die Kapsel komplett entfernen und den Flaschenhals säubern. Die Flasche sollte auch nicht zu kalt geöffnet werden, da ein sehr kalter Korken oft noch spröder wird. Am wichtigsten ist es, langsam und geduldig zu arbeiten, denn der Feind alter Korken ist die Hektik.

Die professionelle Lösung

Die Profi-Lösung ist der sogenannte »Ah-So«, der auch als »Weinhebamme« oder »Butlers-Friend« bekannt ist. Er hält den Korken nicht über eine Spirale, sondern über zwei Zinken, die zwischen Korken und Glas gleiten. Der Korken wird dabei behutsam »umklammert« und mit kleinen Drehbewegungen nach oben gezogen. Wer öfter reife Jahrgänge öffnet, sollte ein solches Werkzeug im Besteckkasten haben. Für sehr alte Flaschen ist auch der »Durand« (eine Kombination aus Spirale und »Ah-So«) Gold wert.

Eine Alternative: der Trick mit zwei Korkenziehern

Wer keines der professionellen Tools besitzt, kann sich dennoch behelfen. Für die Alternativlösung werden lediglich zwei klassische Korkenzieher (idealerweise schmal) benötigt. So geht’s:

1) Den ersten Korkenzieher am Rand ansetzen.

2) Nun den Korkenzieher senkrecht in den Korken drehen – jedoch nicht mittig, sondern nahe am Rand. 

3) Den zweiten Korkenzieher gegenüber platzieren und ebenfalls am Rand vorsichtig und senkrecht eindrehen.

4) Sind die Korkenzieher in den Korken gedreht, beide Griffe parallel halten. 

Jetzt kommt der spannende Teil! Wenn alles vorbereitet ist, kann langsam und kontrolliert nach oben gezogen werden – möglichst gleichmäßig und mit beiden Korkenziehern parallel. Minimale Drehbewegungen können dabei helfen. Auf ruckartige Hebelaktionen oder zu kräftiges Ziehen sollte jedoch verzichtet werden. Im Idealfall verteilt sich die Zugkraft und der Korken bleibt ganz.

Wenn sonst nichts hilft, ist Plan B gefragt

Manchmal hilft alles nichts und der Korken bricht in der Mitte ab. Wenn nur der obere Teil abreißt und ein »Stummel« im Flaschenhals sitzt, hilft es oft, die Spirale erneut an der Kante anzusetzen, tiefer einzudrehen und den Rest mit minimalem Zug herauszuarbeiten. Mit Messern oder Schraubenziehern im Hals zu stochern, sollte man allerdings unterlassen, denn das erhöht das Risiko, den Korken endgültig in die Flasche zu befördern, und ist selten erfolgreich.

Im Zweifel: Wein retten statt ärgern!

Was, wenn nichts geholfen hat und doch Reste des Korkens im Flaschenhals oder sogar im Wein gelandet sind? Nicht ärgern, sondern den Wein retten! In diesem Fall ist es besser, den Wein nicht unnötig zu schwenken oder »im Hals herumzurühren«. Es ist ratsam, ihn stattdessen zügig durch ein sehr feines Sieb oder ein sauberes Passiertuch in einen Dekanter oder ein ähnlich geeignetes Gefäß zu füllen. Der letzte Schluck mit dem Depot verbleibt natürlich in der Flasche! Wer kein Sieb oder Passiertuch zur Hand hat, kann sich auch mit einem Kaffeefilter behelfen. Diesen sollte man aber kurz mit neutralem Wasser ausspülen, damit kein Papieraroma zurückbleibt.

Ausprobieren schadet nicht und sollte man beim nächsten Mal vor diesem Problem stehen, verhilft einer der Tipps vielleicht ja ganz unkompliziert zu großem Trinkvergnügen. Die Daumen sind gedrückt!

Peter Löser
Peter Löser
Weinfreund Peter Löser stammt aus einer Gastronomiefamilie und verbrachte dementsprechend einen Teil seiner Kindheit zwischen Gastraum, Küche und Theke. Seine berufliche Laufbahn begann also verständlicherweise mit einer Kochlehre, nahm ein paar Kurven durchs Druckereiwesen und den Bereich Gestaltungstechnik und führte ihn schließlich in die Werbung. Als Copywriter arbeitete er zehn Jahre in verschiedenen internationalen Agenturen, bevor er sich im Jahr 2000 als Autor, Texter und Konzeptioner selbstständig machte. Seither denkt, schreibt und wirbt er für Unternehmen aller Branchen – vor allem aber aus dem Genusssektor. Und dort steht ganz nach seinem Geschmack Wein an erster Stelle.