Bereits zum dritten Mal fand am 09. und 10. Juni die Fachmesse »100% Champagne« in München statt. Organisiert wurde die zweitägige Veranstaltung von Sascha Speicher und dem Team des Meininger Verlags. Auch in diesem Jahr war ich wieder vor Ort, um mir einen Überblick über die aktuellen Qualitäten zu verschaffen und mich mit Freunden und Kollegen aus Gastronomie und Handel auszutauschen. Fachmessen dieser Art sind immer eine spannende Gelegenheit, neue Produzenten und ihre Produkte kennenzulernen, aber auch bei bekannten Erzeugern die neuen Jahrgänge und Cuvées zu verkosten und immer wieder Neues zu entdecken.
Auch in diesem Jahr waren wieder rund 50 Aussteller vor Ort, um ihre edlen Tropfen dem anwesenden Fachpublikum zu präsentieren. Vertreten waren unter anderem die Häuser Abelé 1757, Nicolas Feuillatte, Billecart-Salmon, Duval-Leroy, Leclerc Briant, Charles Heidsieck, Deutz, Alfred Gratien, Castelnau, Laurent-Perrier, Gosset, Fleur de Miraval, Drappier, Bruno Paillard, Bollinger, Legras & Haas und Jean-Michel, um nur einige zu nennen.
Heidsieck und Paillard zum Start
Einige der von mir verkosteten Champagner aus den Häusern Charles Heidsieck und Bruno Paillard möchte ich in diesem Artikel kurz vorstellen. Los geht es mit einer kleinen Auswahl der von mir probierten Champagner von Charles Heidsieck – natürlich mit kleiner Empfehlung zur Kombination mit Speisen!
»Blanc de Blancs« von Charles Heidsieck:
Wie der Name schon sagt, ein »Weißer aus weißen Trauben«, also ein Champagner aus 100% Chardonnay. Er zeigte sich sehr schön, mit guter Komplexität, Dichte und Länge am Gaumen, mit Aromen von Brioche, Hefe und gerösteten Nüssen, bei 12% Alkohol. Insgesamt durfte dieser Champagner 3 Jahre auf der Hefe ruhen und wurde mit 30% Reserveweinen ergänzt. Für mich als Aperitif ein toller Start in den Abend, aber ich könnte ihn mir auch sehr gut zu klassischem Carpaccio vom Rind vorstellen.
»Rosé Millesimé 2012« von Charles Heidsieck:
Dieser Jahrgangschampagner ist eine Cuvée aus 38% Chardonnay und 62% Pinot Noir. Er wurde als »Brut« ausgebaut und hat 12% Alkohol. Mir gefiel seine gute Länge am Gaumen und sein fruchtiger Körper, der am Gaumen nicht süßlich wirkt. Ich könnte ihn mir zum Beispiel gut als Begleiter zu einer Erdbeer-Panna Cotta vorstellen.

»Blanc des Millénaires 2014« von Charles Heidsieck:
Auch hier handelt es sich um einen »Blanc de Blancs« Champagner, dementsprechend ebenfalls aus 100% Chardonnay hergestellt und »brut« ausgebaut. Er hat 12% Alkohol und ist ein äußerst filigran-kreidiger Vertreter der Champagne, der sich vollmundig und cremig präsentierte. Durch seine feine Perlage bereitete er zudem viel Freude. Für mich ein schöner Begleiter zu Meeresfrüchten sowie Krusten- und Schalentieren.
Überzeugende Kollektion bei Bruno Paillard
Nach diesem ersten Programmpunkt stand für mich die Verkostung bei Bruno Paillard auf dem Programm. So viel sei schon verraten – hier überzeugte mich die gesamte Kollektion. Hier nun einige Highlights meiner Verkostung, die ich Euch gerne verraten möchte.
»Dosage Zero« von Bruno Paillard:
Eine Besonderheit dieses Champagners – er besteht zu 50% aus Reservewein, von dem ein Teil in Barriques vergoren und anschließend in Edelstahltanks gelagert wurde. Ein anderer Teil durfte bis zu zehn Jahre in der Flasche reifen. Der Champagner wurde klassisch aus Pinot Meunier, Pinot Noir und Chardonnay hergestellt. Er besticht durch eine schöne Cremigkeit, seine Eleganz, einer leichten Briochenote und feiner Perlage. Der Ausbau in Holzfässern sorgt zudem für eine angenehme Würze im Abgang. Ein hervorragender Brut Nature / Zero Dosage Champagner mit 12% Alkohol. Auch als Begleiter zum Essen, beispielsweise Kalbstatar mit pochiertem Wachtelei, Kartoffelrösti und Wildkräutersalat, mit Sicherheit ein Genuss.

Blancs de Blancs »Gourmand« 2014 von Bruno Paillard:
Ein weiterer Champagner aus 100% Chardonnay und hier ist der Name Programm. Er ist vollmundig und komplex mit schönen Reifetönen und leicht exotischen Anklängen wie Ananas sowie angenehm fruchtig. Der Champagner lag ganze 9 Jahre auf der Hefe, was ihm auch seine Komplexität verleiht. Als Extra Brut mit 12% Alkohol ist er ein Schaumwein, der sich aufgrund seiner außergewöhnlichen Aromen sehr gut als Speisebegleiter eignet. Hier könnte ich mir eine Kombination mit Involtini vom Kalb mit Morchelrahmsauce und Herzoginenkartoffeln sehr gut vorstellen.
Assemblage »Elan« 2015 von Bruno Paillard:
Hier handelt sich um eine Cuvée aus 58% Pinot Noir und 42% Chardonnay, »Extra brut« ausgebaut, mit 12% Alkohol. Das Jahr 2015 war in der Champagne ein sonniger Jahrgang, die geernteten Trauben waren daher reifer und aromatischer als in anderen Jahren. Der Champagner ist zu 20% im Holz ausgebaut, hat eine feine moussierende Perlage und die leichten roten Früchte des Pinot Noir kommen schön durch. Für mich ein Champagner, der sowohl als Aperitif als auch zum Essen passt. Am besten in einem Universalglas oder auch in einem Burgunderglas, denn so können sich die Aromen am besten entfalten. Ein Pairing mit Brust und Keule von der Challans-Ente, dazu Honig-Buchteln, gedämpftem Pak Choi und eine feine Thymian-Jus wäre hier mein Vorschlag.

Weiterbildung deluxe – Masterclass »Coteaux Champenois«
Neben der Möglichkeit zur Verkostung bieten Fachmessen wie die »100% Champagne« mit ihren speziellen Masterclasses eine zusätzliche Gelegenheit zur Weiterbildung. So habe ich es mir nicht nehmen lassen, an der Masterclass »Coteaux Champenois« teilzunehmen.
Stillweine aus Chardonnay, Pinot Meunier, Pinot Noir oder auch Pinot Gris sind derzeit ein heiß diskutiertes Thema in der Weinwelt. Für viele geht es dabei auch um die Frage, ob diese durchaus als Nischenweine zu bezeichnenden Tropfen reine Liebhaberei sind oder ob man in ihnen durchaus eine gute und bezahlbare Alternative zu den Weinen aus dem Burgund sehen kann. Umso interessanter war für mich die Gelegenheit, einige Vertreter dieser Weine zu verkosten, von denen ich hier ebenfalls zwei vorstellen möchte.
Coteaux Champenois Blanc »En Vieux Fombrés« von 2019 von Champagne Doyard
Hierbei handelt es sich um einen weißen Coteaux Champenois aus 100% Chardonnay von Parzellen der Lage »Vieux Fombrés«. Genauer gesagt befinden sich die Parzellen in einem Weinberg in halber Hanglage in Vertus, in einer 1er Cru-Lage der Côte des Blancs. Der Wein ist sehr hefig und holzig, mit Briochearomen gepaart mit Nüssen, spürbarer Würze, Salzigkeit und Mineralität. Er hat eine gute Länge und Griffigkeit am Gaumen, ist dicht, kompakt, buttrig und weinig, bei 12,5 % Alkohol. Er ist 18 Monate lang in Pièces ausgebaut, einem dickbauchigen Fass mit 228 Litern Fassungsvermögen, das dem klassischen Barrique mit 225 Litern Fassungsvermögen ähnelt. Auch dieser Champagner eignet sich ausgezeichnet als Essensbegleiter zu gebratener Jakobsmuschel mit schwarzem Trüffel, Schwarzwurzeln und einer leichten Vin Jaune Beurre Blanc.
Coteaux Champenois »Le Mesnil« 2020 von Bruno Paillard
Dieser Stillwein aus dem Hause Paillard wird aus 100% Chardonnay hergestellt und stammt aus der Gemeinde Le Mesnil sur Oger, einer der sechs Gemeinden des Champagneranbaugebietes »Côte des Blancs«, die den Grand Cru Status tragen. Insgesamt werden nur 1100 Flaschen pro Jahr produziert, die 2 Jahre in der Flasche reifen. Der Wein hat Aromen von Brioche und gerösteten Nüssen, ist mineralisch und hat eine steinige Frische und Finesse. Er wurde in gebrauchten Barriques (5./6. Belegung) ausgebaut. Die Säure ist hoch und der Wein hat keinen biologischen Säureabbau durchlaufen. Er ist, bildlich gesprochen, wie ein »Laserschwert« mit seinen zitronigen Noten von Yuzu, dazu kreidig und straff. Ein Wein mit langem Reifepotenzial.
100% Champagne 2024 in München – rundum gelungen
Natürlich gab es noch viele weitere kleine und große Highlights zu entdecken, weitere werden in den nächsten Wochen in separaten Weinbeschreibungen hier im Online-Magazin zu lesen sein.
Am Ende bleibt nur noch »Vielen Dank« zu sagen, für eine rundum interessante und perfekt organisierte Veranstaltung mit durchweg sehr hohem Niveau, ähnlich den »Meiningers Finest 100«. Diese Veranstaltung wird übrigens in diesem Jahr im November wieder in Neustadt stattfinden. Ein Grund zur berechtigten Vorfreude!
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