PIWI-Rebsorten: Was man darunter versteht

Der Begriff »PIWI« ist eine Wortschöpfung und wird allgemein für pilzwiderstandsfähige Rebsorten verwendet. Diese Abkürzung wird auch im englischen Sprachraum genutzt und steht dort für »Pioneering Wines«, was inhaltlich der gleichen Bedeutung entspricht. Diese Rebsorten zeichnen sich durch eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheitserregern wie dem »Falschen Mehltau« und dem »Echten Mehltau« aus. Diese beiden Krankheitserreger wurden bereits im 19. Jahrhundert mit Wildreben aus Amerika nach Europa eingeschleppt und haben sich seitdem auf dem europäischen Kontinent ausgebreitet. Sie befallen Blätter und Trauben, verursachen unangenehme Geschmacksnoten und zerstören unbehandelt zunächst das Lesegut und langfristig die Rebstöcke.

Wie züchtet man PIWI-Rebsorten?

Die Züchtung der PIWI-Rebsorten erfolgt durch gezielte natürliche Kreuzungen zwischen amerikanischen, teilweise auch asiatischen Wildreben, die eine natürliche Resistenz gegen die Krankheitserreger aufweisen, und europäischen Weinreben (Vitis Vinifera). Es handelt sich also nicht um gentechnisch veränderte Rebsorten, wie in der Vergangenheit gelegentlich fälschlicherweise kommuniziert wurde. Die erfolgreiche Züchtung solcher neuer Rebsorten ist sehr zeitaufwendig und erfordert oft bis zu 10.000 Kreuzungsversuche. Bis die neuen Reben dann die ersten Früchte tragen können mehrere Jahre vergehen und bis so eine neue PIWI-Rebsorte schließlich Marktreife erlangt hat, vergehen nicht selten bis zu 20 Jahre.

Von »Echtem Mehltau« befallene Beeren am Rebstock.

Welche Vorteile haben PIWI-Rebsorten?

Durch die erhöhte Resistenz gegenüber den eingangs erwähnten Schaderregern können die sonst notwendigen Pflanzenschutzmaßnahmen um bis zu 80% reduziert werden, teilweise kann sogar ganz darauf verzichtet werden. Ebenso werden, sofern im jeweiligen Weingut überhaupt notwendig, die Überfahrten im Weinberg und damit die Bodenverdichtung sowie der CO2-Ausstoß minimiert und sorgen für mehr Nachhaltigkeit. Dies ist übrigens auch ein Grund, warum man sie häufig in den Weinbergen biologisch oder biodynamisch arbeitender Winzer findet. Damit einher geht eine nicht unerhebliche Kosten- und Zeitersparnis für die Weinerzeuger, die den Prozess der Weinherstellung wirtschaftlicher macht.

Welche Sorten gibt es?

Die derzeit noch am weitesten verbreitete Rebsorte ist die rote Sorte Regent, die noch ca. 50% der gesamten PIWI-Rebfläche ausmacht. Sie ist jedoch aufgrund deutlich schlechterer Resistenzeigenschaften gegenüber neueren Kreuzungen stark rückläufig. Weitere bekannte PIWI-Sorten sind Johanniter, Cabernet Blanc, Solaris, Cabernet Cortis, Souvigniers Gris oder Sauvignac.

Armin Böttigheimer
Armin Böttigheimer
Schallplattenliebhaber, Star Wars-Fan und Freund gereifter Weine, den man auch mit einem jungen Riesling Kabinett immer wieder begeistern kann. Bereits 2001 mit einem eigenen Plattenladen gestartet, wurden 5 Jahre später, mittlerweile Trainer und Autor im Bereich Grafikdesign und Bildbearbeitung, die Schallplatten wieder in die Plattenkiste gepackt. Nach einem Ausflug in die Werbewelt und anschließender Marketing- und PR-Tätigkeit wuchs parallel die Leidenschaft für gutes Essen und Wein. Als Geschäftsführer der comvertize GmbH lebt er heute als Gründer und Herausgeber von Winealicious seine Faszination für Wein und Genuss auch digital aus.