Der Begriff »Avinieren« gehört wohl für viele zu den eher unbekannten Fachbegriffen der Weinwelt. Dabei bezeichnet er aber einen durchaus sinnvollen Vorbereitungsschritt vor dem Weingenuss. Es wird vor allem von Sommeliers, fortgeschrittenen Weinkennern und bei professionellen Verkostungen angewendet, kann aber auch beim abendlichen Weingenuss in den eigenen vier Wänden praktiziert werden.
Der Begriff leitet sich dabei übrigens vom französischen Wort »vin« für Wein ab. Sehr frei könnte er auch als »mit Wein benetzen« übersetzt werden. Vereinfacht ausgedrückt beschreibt der Begriff das gezielte »Ausspülen» eines Weinglases oder eines anderen Weingefäßes wie z.B. einer Karaffe mit einer kleinen Menge des Weines, der anschließend getrunken werden soll.
Warum aviniert man überhaupt?
Der Grund für das Avinieren ist eigentlich schnell erklärt. Es sollen Rückstände oder Gerüche entfernt werden, die z.B. an Weingläsern haften und durch Spülmittelreste oder die Lagerung entstanden sind. Diese Fehltöne können im schlimmsten Fall den Geschmack und das Aroma des Weines beeinträchtigen. Durch das Ausspülen mit einem kleinen Schluck des Weines, den man anschließend verkosten möchte, werden diese Geschmackseindrücke minimiert oder vermieden. Das Glas wird sozusagen neutralisiert und die feinen Aromen des Weines können sich nun geschmacklich unbeeinflusst entfalten. Bei professionellen Weinverkostungen ist das Avinieren oft üblich, um den unverfälschten Geschmackeindruck der zu verkostenden Weine im Glas zu haben.
Wie aviniert man richtig?
Der Vorgang des Avinierens ist technisch recht einfach, erfordert aber eine gewisse Sorgfalt bei der Durchführung. So wird zu Beginn eine kleine Menge Wein, idealerweise der Wein, der später getrunken werden soll, in das Weinglas gegeben. Diese minimale Menge »Spülwein« wird durch vorsichtiges Schwenken oder Drehen im Glas verteilt, damit jeder Bereich der Innenfläche benetzt wird. Anschließend wird dieser Teil des Weins weggeschüttet – er hat sozusagen seine Schuldigkeit getan. Das Glas ist nun vinifiziert oder, wie bereits erwähnt, »neutralisiert« und frei von unerwünschten Geschmackseinflüssen – dem ungetrübten Trinkgenuss steht zumindest in dieser Hinsicht nichts mehr im Wege!
Bei besonders teuren oder seltenen Tropfen kann man sich zum Avinieren natürlich auch mit einer etwas günstigeren Avinier-Alternative behelfen. Grundsätzlich kann man, wie bei Weinproben oft praktiziert, auch das bereits mit dem Vorgängerwein avinierte Glas weiter verwenden. Sollte jedoch einmal ein echter Weinfehler wie z.B. ein Korkschmecker festgestellt werden, empfiehlt es sich, ein neues Glas zu verwenden oder das alte mit Wasser auszuspülen und neu vorzubereiten.