Quel gros pavé! – Was für ein Schinken! Und bei »Bistro, Bistro!« ist hier im Zusammenhang mit Kochen mal nicht der vom Schwein gemeint. Denn dieses Werk von Stéphane Reynaud ist mit fast 500 Seiten ein echt dickes Ding. Und ein fulminanter Rundumschlag zur französischen Bistroküche. Man taucht sofort in dieses typische französische Gefühl von entspanntem Genuss von morgens bis abends ein und wahlweise den Duft von frischen Croissants und Kaffee, frisch angeschnittener Pastete oder Potaufeu in der Nase. Dazu gesellt sich das Klirren der Gläser, das Stühle-Rücken an kleinen Bistrotischen, vorbeifahrende Motorroller und wer die Augen schließt, hat sicherlich direkt die rot-weiß karierten Tischdecken vor sich. Kurz gesagt: wer sich einen kulinarischen Städtetrip nach Frankreich in Buchform zulegen möchte, der ist bei Stéphane Reynaud genau richtig.
Er ist nicht nur Autor dieses Werks, sondern betreibt hauptsächlich das ausgezeichnete Bistro „Oui, mon géneral!“ in Paris (hier geht’s zur übersichtlichen Website und hier zum aussagekräftigeren Instagram-Kanal). Und die jahrzehntelange Gastro-Erfahrung merkt man auch diesem Buch an. Der Aufbau im Verlauf des Tages und später dann innerhalb des Menüs mit zusätzlichen Wissen zu Themen wie Fisch, Weingläser etc. ist gut durchdacht. Wer direkt nach einem Rezept sucht, sollte sich ans Rezeptverzeichnis halten, das Inhaltsverzeichnis dient wirklich nur der schnellen Übersicht.
Ein Fest für die Sinne
Warum sich dieses Genussbuch vor allem für WINEALICIOUS-Leser*innen eignet, wird schnell auf der nächsten Doppelseite sichtbar: Die Weinkarte! Nach französischen Regionen geordnet und mit den passenden Seitenzahlen versehen. Pairing-Fans (wie ich) werden freudig juchzen, denn zu vielen Gerichten gibt es direkt die passende Weinempfehlung. Und ein wenig kompaktes Weinwissen ist ebenso im Buch untergebracht.
Die Rezepte sind stilvoll fotografiert, die leicht durchscheinende Haptik der Naturpapier-Seiten passt aus meiner Sicht auch richtig gut zum Bistro-Gefühl. Und auch gestalterisch wird man sofort ins französische Epizentrum der Kulinarik gebeamt. Liebevolle Illustrationen, eine feine Typoauswahl, insgesamt einfach sehr ansprechend und stilvoll.
Bistroküche – »From Nose to Tail« und mehr
Dass die französische Küche grundsätzlich von der Nase bis zum Schwanz arbeitet, dürfte hinlänglich bekannt sein. Dass man bei einer deutschen Ausgabe hier auch keine Ausnahme macht, sondern sich tatsächlich an das Original hält, wäre vielleicht bis vor ein paar Jahren nicht so ohne Weiteres möglich gewesen. Ich finde das durchaus löblich erwähnenswert, allein um die kulturelle Bedeutung dieser Gerichte für Frankreich und deren Selbstverständlichkeit auch hier ohne Beschönigen zu publizieren. So finden sich also nicht nur Klassiker wie Tatar mit Pommes und verschiedene Terrinen, sondern auch Schweinefüße, Markknochen oder Lammhirn in der Rezeptauswahl. Und keine Sorge, auch Vegetarier und vor allem Pescetarier werden in der Bistroküche fündig. Von den Desserts und der Käseauswahl ganz zu schweigen. Dieses Kapitel ist im Übrigen sehr gelungen. Nicht nur die schöne fotografische Darstellung, auch die Weinempfehlungen dazu sind ein echter Mehrwert.
Fazit zum Buch
Fazit: Vom Frühstück über den Mittagstisch bis zum Abschluss mit Dessert oder Käse bietet „Bistro, Bistro!“ mit seinem Einblick in die französische Bistroküche einfach alles, was das frankophile Gourmet-Herz begehrt. Man bekommt bei diesem Buch nicht nur Lust, wirklich einiges auszuprobieren, vielleicht ein paar Freunde zu einem französischen Abend mit passenden Weinen einzuladen und sich an ein paar längst vergessene Lieblinge zu wagen, sondern man möchte am liebsten direkt in den nächsten TGV nach Paris steigen, und das Flair vor Ort einzusaugen. Samt einem schön gekühlten Glas Saumur und einer Portion Austern. Bon app und Chapeau Stéphane!
Infos zum Buch: Hardcover, 480 Seiten, viele Illustrationen, 20,4 x 27,8 cm, 39,95 Euro, ISBN 978-3-8310-4584-6
Mehr Infos zum Buch findet ihr hier oder auf der Verlagsseite von Dorling Kindersley.
Hinweis: Das Rezensionsexemplar wurde uns vom Verlag zur Verfügung gestellt. Der Beitrag selbst wurde nicht bezahlt oder beauftragt. Weitere Informationen zu unserem Umgang mit Pressekonditionen gibt es hier.