Das Weingut F.X. Pichler hat auf der diesjährigen VieVinum in Wien erstmals einen Rotwein vorgestellt. Präsentiert wurden gleich drei Jahrgänge des neuen Wachauer Pinot Noir: 2022, 2023 und 2024. Für das Wachauer Spitzenweingut, dessen Renommee sich bisher eindeutig auf Grüner Veltliner und Riesling gründet, ist dies nicht nur ein bemerkenswerter Schritt, sondern eine kleine Sensation. Die 80 Plätze der Präsentation waren entsprechend schnell ausgebucht. Durch die Verkostung führte dabei der bekannte Weinjournalist und Burgunderkenner Willi Balanjuk.
Lang gehegter Wunsch nach eigenem Rotwein
Dieser erste Pinot Noir aus dem hause Pichler markiert jedoch keinen spontanen Seitenwechsel ins Rotweinfach. Vielmehr hegte Lucas Pichler bereits seit mehr als zehn Jahren den Wunsch einen eigenen Rotwein zu machen und entwickelte dabei eine immer stärkere Leidenschaft für Pinot Noir. Gemeinsam mit seiner Frau Johanna verkostete er immer wieder große Burgunder und entwickelte dabei ein genaueres Verständnis für die Machart dieser Weine. Als Vorbilder nennt Pichler die Grand-Cru-Lagen der Côte de Nuits, darunter Chambolle-Musigny, Gevrey-Chambertin und Vosne-Romanée. (Wine+Partners)

Parzellen-Mix für mehr Komplexität
Die Trauben für den Wachauer Pinot Noir stammen aus fünf verschiedenen Parzellen am linken Donauufer. Insgesamt stehen dafür derzeit 0,55 Hektar zur Verfügung, die ausschließlich mit kleinbeerigen, im Burgund selektionierten Pinot-Noir-Klonen bestockt sind. Die fünf Bereiche sind Loibner Rothenhof, Loibner Burgstall, Dürnsteiner Liebenberg, Loibner Mühlpoint und Weissenkirchner Seiberberg. In Loibner Rothenhof, Loibner Burgstall und Dürnsteiner Liebenberg wurden bestehende Weingärten umveredelt. In der Parzelle Loibner Mühlpoint sowie auf einem Teil der Fläche im Dürnsteiner Liebenberg wurden 2020 und 2025 die »Dijon-Klone« 777 und 115 sowie zwei alte Burgund-Selektionen neu ausgepflanzt. Im Weissenkirchner Seiberberg nutzt Pichler bereits 2005 gepflanzte Reben, die er von einem befreundeten Winzer kaufen konnte.
Pinot Noir reagiert sehr sensibel auf kleinste Unterschiede. Eine einzelne Lage kann Tiefe besitzen, mehrere Lagen können Komplexität erzeugen. Genau diese Vielschichtigkeit ist das Ziel: kein monolithischer Wein, sondern ein präzise komponiertes Ganzes.
Lucas F. Pichler
Im Keller setzt Pichler auf eine behutsame Vinifikation, die dem Pinot Noir eher Spannung als Kraft verleihen soll. Die Trauben werden von Hand gelesen, gekühlt und mit einem Anteil ganzer Trauben spontan vergoren. Anstelle einer kräftigen Extraktion steht eine sanfte Pigeage im Vordergrund, da der Wein nicht durch Druck, sondern durch Feinheit, Struktur und aromatische Präzision entstehen soll. Auch der Ausbau folgt diesem Ansatz.
Der Pinot Noir reift ohne Schwefelzugabe für rund neun Monate zu zwei Dritteln im neuen und zu einem Drittel in einmal belegtem Holz. Nach dem biologischen Säureabbau erfolgt die Assemblage im Stahltank. Nach einer ersten Schwefelgabe reift der Wein erneut für 15 bis 18 Monate im Barrique. Ungefähr sechs Monate vor der Füllung kommt er zurück in den Stahltank und wird schließlich unfiltriert abgefüllt. Auf den Markt kommt der Wein letztlich erst zwei Jahre nach der Ernte.
Das Burgund als Vorlage
Stilistisch ist der Wachauer Pinot Noir klar auf Zurückhaltung angelegt: keine vordergründige Frucht, keine demonstrative Kraft, sondern eine eher karge, filigrane Ausprägung mit moderatem Alkoholgehalt von 12,5 Volumenprozent und burgundischer Orientierung. Die ersten Jahrgänge 2022 und 2023 sollen im September 2026 erscheinen. Die Menge bleibt dabei klein: Pro Jahrgang werden nur 2.000 bis 2.200 Flaschen erwartet, ergänzt um wenige Magnumflaschen.
Für F.X. Pichler beginnt damit ein neues Kapitel. Seit 2018 führen Lucas F. und Johanna Pichler das Weingut. Im selben Jahr wurde auch auf biologische Bewirtschaftung umgestellt und seit 2023 sind nun alle Riedenweine bio-zertifiziert. Ab 2026 setzt das Weingut jetzt also erstmals auch auf Rotwein: mit einen Pinot Noir, der nicht als Nebenprojekt, sondern als langfristige Erweiterung des Wachauer Profils angelegt ist.
